Logbuch 0.16 - Objekt XYZ

Bin gerade in Berlin angekommen! Fühlt sich gut an die nächsten Tage wieder etwas mehr durchatmen zu können. Es ging ziemlich viel ab die letzte Woche. Videodreh, Fotoshootings, Interviews, TV Aufzeichnungen und gestern noch ein Konzert.
Total irre, was ich hier gerade alles erlebe und das in so kurzer Zeit. Ich genieße alles in voller Demut und Dankbarkeit und konnte vorhin auf der 6 stündigen Autofahrt nach Berlin alles in Ruhe auf mich wirken lassen.  

Somit, tut es mir auch gut, das Ganze hier runter zuschreiben.  


Ich gehe nochmal ein paar Wochen zurück. Mein erstes eigenes Konzert in Hamburg vor über 120 Leuten - wow! Die Leute kamen um meine Songs zu hören. Das bin ich noch nicht gewohnt. Es hat mich total geflasht, wie jeder Einzelne von Anfang bis Ende, meine eigenen Texte mitsingen konnte. Freunde, Familie, Bekannte und Fans aus ganz Deutschland sind extra für diesen einen Abend angereist. Das baut in einem natürlich viel Druck auf, denn ich wollte das alles perfekt wird.
Und bis auf die totale Hitze in der Prinzenbar, hätte es perfekter nicht laufen können! Am Ende hatten ich zum Glück noch Zeit für jeden Einzelnen und wir haben Fotos gemacht, lange Reden und uns austauschen können. Manche kamen sogar mit gelben Regenjacken, ich konnte es nicht glauben :D Das war so cool!

Wieder drei Wochen vor gespult, war gestern das Konzert in Borken. Da der Boden voller Sand bedeckt war, kam auch im Münsterland ein bisschen Heimatstimmung auf und ein paar gelbe Regenjacken waren auch wieder am Start. Das bedeutet mir wirklich viel und so kann ich mich auf jeder Bühne wahnsinnig wohlfühlen, weil ich einfach weiß, dass meine Leute da sind. 

Nach der Show habe ich fix abgebaut und bin wie fast jedes Mal, nochmal raus vor die Bühne gegangen, um Fotos zu machen und Autogramme zu geben. Das waren diesmal echt viele. Echt krass!  

Als es dann immer weniger wurden, hatte ich langsam auch Zeit mich mit einigen länger zu unterhalten. Allerdings kamen immer wieder andere Besucher des Konzerts auf mich zu, um Fotos zu machen. Total in Ordnung und schön, das freut mich immer, nur wurde mir zum Ende hin immer komischer. Ich habe mich gefühlt wie eine Hülle, eine leere Person, ein Objekt, irgendein Objekt, welches „Berühmt“ sei und welches man später seinen Leuten durch ein Foto präsentieren kann, um sich vor ihnen zu profilieren.

Meine Gefühle sind in dem Moment kaum zu beschreiben gewesen, es war eine Hilflosigkeit, in der ich am liebsten weggerannt wäre oder hätte anfangen können zu weinen. Es war total befremdlich.

Eine Mutter wollte unbedingt meine Mütze haben, kannte mich vorher wahrscheinlich nicht einmal oder dachte ich wäre „ein Lochi“. Später hat ihr Sohn mir dann bei einem Foto die Mütze weggenommen, nachdem sie mir vorher noch angeboten hat an ihr „rum zu spielen“. Was geht denn ab??? Und das war nur eine Aktion… Lustig war’s dann als eine Gruppe älterer Damen auf mich zu kamen, auch ein Foto wollten und mich vorher nichtmal auf dem Konzert gehört haben. Das war lustig und ich konnte es mit Humor nehmen, da wir ein Gespräch aufbauen konnten und uns respektiert haben.

Es ist super schwer zu erklären, denn nun kann man ja sagen, dass ich mir das ja so ausgesucht habe und mich mal nicht beschweren soll, denn „Berühmt“ sein ist ja was tolles und ich darf auf einer großen Bühne stehen und anfangen meinen Traum zu leben.

Ja, aber ich bin immer noch ein Mensch, der seine kompletten Emotionen auf der Bühne mit den Menschen teilt und seine eigenen Geschichten erzählt. Kein Objekt oder eine Puppe, die nichts fühlt und denkt.

Wieder teile ich meine gesamten Gedanken mit euch, Menschen, denen ich vermeintlich was bedeute. Die, um die es hier geht, werden den Text wahrscheinlich nie lesen.

Andreas Schubert