Tag 2 - Singapur

Nach knapp 12 Stunden schlaf haben wir die Zeitumstellung überstanden und waren bereit für den zweiten Tag. Bevor es los ging, mussten Tamino und ich Andi erstmal erklären, dass es in Singapur verboten ist Kaugummis zu kauen, geschweige denn, in das Land einzuführen und somit zu besitzen. Gleiches gilt für Tabak bzw. Zigaretten. Aber der gute Andi hat davon scheinbar nichts mitbekommen. Also nahm er die Packung Kaugummis und spülte sie ernsthaft die Toilette runter, als wären es die schlimmsten Drogen der Welt. Leider gab es davon kein Bild, aber das werde ich nie vergessen!
Tatsächlich liegt das mit den Kaugummis in Singapur daran, dass sie sonst überall rum kleben und unnötig Dreck machen.
Das kann ich total nachvollziehen und finde es gut. Ich seh es als einen kleinen Versuch, die Welt ein bisschen sauberer zu halten. 

Naja, nach der kleinen Drogenschmuggelei haben wir gefrühstückt. Das ist in einem anderen Land gar nicht so einfach. Hier isst man hauptsächlich Nudeln oder andere asiatische Gerichte die wir eher Mittags und Abends essen würden. Brot und Brötchen kann man hier nirgends finden und wenn, dann sind sie total weich und ohne Geschmack. Deshalb haben wir uns erstmal ein fancy Dutch Café rausgesucht und konnten relativ normal frühstücken. Avocado Toast, ein Ei und eine Müslibowl. Das tat nach dem gestrigen Tag echt gut. Ich glaube wir Deutschen brauchen so ein vernünftiges Frühstück einfach!

Als erstes Ziel stand für uns heute „Little India“ auf dem Plan. Wir sind dort in eine riesige Halle voller Essen - ein Food Court (Little India's Hawker Center). Totaler Kulturschock. Was mir als erstes aufgefallen ist, war wie die Menschen fast alle ihr Chicken-Reis-Curry mit den Händen aßen. Klar man weiß, dass es das gibt, aber es hautnah zu sehen, war für mich wirklich so ein Moment, in dem ich gespürt habe, dass ich jetzt ganz woanders auf der Welt bin. Die Halle war total überfüllt, aber trotzdem war die Stimmung sehr harmonisch. Vor dem Essen geht man zu einem Waschbecken und wäscht sich seine Hände und sein Gesicht. Anschließend holt man sich dann sein Essen. Für mich gab es Lamm-Curry. Später setzte sich dann noch ein älterer Herr zu mir der genau neben mir frittierte Bananen verkaufte. Wir kamen ins Gespräch und er hat uns noch ein paar Dinge empfohlen die wir unbedingt sehen sollen. Einfach total nett. Er gab uns sogar ein paar Bananen umsonst mit auf den Weg. 

Die Halle war echt riesig. Weiter hinten befand sich die Fischabteilung. Dort haben wir gesehen, wie die Menschen vor unseren Augen die größten Fische der Welt zubereitet und zum Verkauf angeboten haben. Das Ganze hat mich echt umgehauen. Ich hab mich so richtig „mittendrin“ gefühlt.

Gestärkt von den Mini-Bananas und dem Curry ging es für uns dann nochmal nach Chinatown, mit einem kleinen Umweg aus der Stadt heraus, denn wir wollten noch ein paar Drohnenaufnahmen machen. In Singapur wäre es ziemlich gefährlich das kleine Ding einfach irgendwo in die Luft steigen zu lassen. Nicht nur weil es abstürzen könnte, sondern weil man in diesem Land stark überwacht wird und bestraft werden kann. Diese Strafen sind nicht nur Geldbußen sondern z.B auch Schläge auf die Hand oder den Hintern - kein Scherz. Wobei wir auch gehört haben, dass die Polizei dort den Touristen gegenüber etwas entgegenkommender ist. Polizisten haben wir übrigens noch keine gesehen, dafür aber ziemlich viele Kameras. Überwachungsstaat halt.

In Chinatown angekommen konnten wir diesmal das Ganze viel besser wahrnehmen und vor allem aufnehmen. Wir sind gestern an Dingen vorbei gelaufen, die wir heute total beeindruckend fanden oder nichtmal gesehen haben. Das beweist wohl, wie müde wir gestern waren. Generell haben wir heute erst so richtig verstanden, wie riesig alles ist. Es ist wirklich so unbeschreiblich groß hier, vor allem, weil alles so in die Höhe gebaut ist, auf einer Fläche, die man zu Fuß noch ganz gut erreichen kann. Wir sind keine Öffis oder Taxi gefahren und haben trotzdem alles von Chinatown sehen können.

Wir sind echt viel gelaufen.

Abends wollten wir dann zum ersten Mal richtig was trinken gehen und sind durch ein paar Straßen gelaufen, um uns irgendwo nieder zu lassen. Allerdings ist uns gleich aufgefallen, das hier nichts los ist. Alle Bars waren leer. In einem deutschen „Paulaner Biergarten“ war am meisten los. Also haben wir uns dann dort dazu gesetzt und ein paar Bier getrunken. Die Stadt wirkte aber nahezu verlassen. Nichts war mehr geöffnet.

Fast schon frustriert haben wir dann den Rückweg eingeschlagen. Doch dann ist uns ein Mann über den Weg gelaufen.
Total allein und gut angeheitert hat er uns angesprochen, dass hier ja nichts los sei und er gerade nur auf Durchreise nach Australien, Tasmanien sei. Im Verlauf des Gesprächs und nachdem wir erzählt hatten wo wir her kommen und was wir hier so machen, kam dann raus das der Dude einfach in Deutschland (Kempten) geboren ist und die ersten 25 Jahre seines Lebens dort verbracht hat. Daraufhin hat er uns erstmal auf ein Bier einladen und so haben wir die letzte Bar gesucht, die noch offen hatte. Übrigens haben wir uns trotz seiner deutschen Wurzeln auf Englisch unterhalten müssen, da er wiederum seit 20 Jahren in Australien gelebt hat. Sein Name war Erik und der Abend wurde lang. Wir haben viel erzählt, doch vor allem hat er viel erzählt. So langsam vertieften wir uns immer weiter in unsere Geschichten und erfuhren dann auch, warum er denn auf Durchreise war, warum er überhaupt in Australien lebt und so viel reist. Es ist die Liebe. Er habe wohl viel aufgegeben, aber auch viel Mist gebaut, was das mit den Frauen angeht.

Erik war schon so ziemlich überall auf der Welt und erzählte uns, wie er sich jeden dieser Orte zu seinem Zuhause macht. Er hat die Liebe gefunden und gelebt. Die nächste Liebe hat ihn woanders hingetrieben. Aber letztendlich, sei er alleine und er fragt sich, was ihm den schon all das Geld, der Erfolg, das Glück denn bringe, wenn er es mit niemandem teilen kann. Das war vielleicht auch der Grund, warum er uns eingeladen hatte. Erik ist ein super netter Kerl, mit dem Herz am richtigen Fleck. Trotzdem schien er sehr traurig zu sein.

Es war eine schöne Begegnung und je später es wurde, trennten sich unsere Wege wieder. Ich hoffe, ihm geht es gut und er kommt da an, wo her hin will. Vielleicht wird er aber auch nie ankommen, weil vielleicht ist genau diese Reise sein Ziel. Er weiß es nur noch nicht.

Mich hat diese Begegnung noch die ganze Nacht zum überlegen gebracht, weil ich nicht so ganz wusste, was ich über das Ganze und ihn Denken sollte. Es hat mich auch dazu gebracht, über mich und meine Reise zu reflektieren und am Ende glaube ich auch, dass wir genau solche Begegnungen brauchen, um sich dann selbst zu finden. 

#RichtungIch

Andreas Schubert