Logbuch 0.06 - Großeltern

Vielleicht fange ich einfach wieder mit meiner Woche an. Von Montag bis Mittwoch war ich im fliegenden Wechsel entweder im Büro oder im Studio. Es dauert wirklich nicht mehr lange, versprochen!  Es braucht nunmal alles seine Zeit und wir stecken wirklich viel Liebe in die kleinsten Details. Am Montag hab ich mich noch mit einer alten Bekannten getroffen, die inzwischen Musik in Stockholm, Los Angeles und London macht. Das war wirklich ziemlich interessant und schön zu sehen, wie jeder von uns seinen Weg geht. Vielleicht trifft man sich ja in ein paar Jahren wieder und teilt erneut Erfahrungen und tauscht sich darüber aus.

Ich hab diese Woche seit längerem mal wieder meine Großeltern gesehen. Es ist einfach schön, dass ich sie von Zeit zu Zeit sehen kann. Beide haben ein aufregendes Leben hinter sich und genießen jetzt ihre Ruhe. Sie waren selbständig und  hatten einen erfolgreichen Fotoladen.

Ich erzähl euch jetzt mal eine kleine Anekdote von meiner Oma, die sie mir immer wieder gerne berichtet! Die Hauptaufgabe von dem Fotogeschäft meiner Großeltern war das Ablichten der Touristen am Strand. Man hat ihnen dann kleine Karte mitgegeben, damit konnten sie später das entwickelte Foto abholen. 

Damals gab es diesen einen Mitarbeiter, der immer wieder faxen gemacht hat und ständig Flauseln im Kopf hatte. Wenn die Menschen Nachmittags vom ihrem Strandbesuch gekommen sind, hingen normalerweise alle Bilder in einer Reihe im Fotogeschäft, nur nicht dieses Mal. Nicht nur das alle frisch entwickelten Fotos verkehrt herum und völlig durcheinander hingen, nein, es waren auch kleine Bleistiftzeichnungen hinten auf den Bildern, oder es stand „Julli 1968“ statt „Juli 1968“ auf den den Fotowänden. Er konnte jedoch immer schön schreiben und war einfach künstlerisch und kreativ, aber halt ein Zappelphilipp. Mein Opa war kurz davor war ihn rauszuschmeißen aber meine Oma war wie immer viel zu lieb und konnte gut mit ihm, sagte sie. So redete sie auf meinen Opa ein, und sagte, dass er doch ein guter Junge sei. 
Ich fühl mich gerade wie meine Oma, die es liebt Geschichten zu erzählen. Inzwischen wiederholt sie sich aber immer wieder und erzählt die Meisten einfach doppelt. Das ist aber auch völlig in Ordnung, denn Ich hör ihr jedes mal wieder gerne aufs Neue zu.

Aber zurück zur Story - dieser Mitarbeiter war kein geringer als Otto Waalkes. Vielleicht kennen ihn auch nicht alle, aber ich bin mit seinen Witzen, Filmen und Liedern groß geworden. 
Hin und wieder fiel bei seinen ausverkauften Arena Tourneen auch mal unauffällig der Name „Brunke“ bei Charakteren, die er in seinen lustigen Geschichten unterbrachte. So erzählts zumindest meine Oma :)

Was ich eigentlich sagen will ist, dass ich diese Geschichten und Anekdoten liebe. Ich finde dazu sind Großeltern auch da, sie sind Zeitzeugen und wir können aus ihren Erzählungen und von ihren Erfahrungen lernen. Ich wünschte, ich könnte ihnen viel häufiger zuhören, denn ich habe das Gefühl, dass ich noch nicht alle Fragen gestellt habe. 

Auch wenn sie vielleicht nicht ganz verstehen was ich hier mache. Sie sind immer noch interessiert und hören sich genauso gerne meine Geschichten an und oft merkt man, dass man doch nicht in so verschiedenen Welten lebt. Früher als Kind hab ich das nicht verstanden und hab einfach nur mein Segelboot bei ihnen abgeholt und bin zum Schiffchenteich gegangen.

 Otto Waalkes, meine Großeltern mit meinem Onkel, Tante und meinem Vater (links nach rechts)

Otto Waalkes, meine Großeltern mit meinem Onkel, Tante und meinem Vater (links nach rechts)

Andreas Schubert